Austausch zur frühkindlichen Bildung im MärchenExpress Karben

Bild: vlnr. Björn Hörnle (Mitglied der Unternehmensleitung Terminal for Kids gGmbH), Maren Duke und Jamel Atkinson (Einrichtungsleitungen Kita MärchenExpress), Felix Martin (Mitglied des Hessischen Landtags, Bündnis 90/Die Grünen) und Lindon Zena (Co-Vorsitzender des Grünen Ortsverbandes Karben)
12.02.2026, Karben – Die Kindertagesstätte MärchenExpress in Karben begrüßte Felix Martin, Mitglied des Hessischen Landtags (Bündnis 90/Die Grünen), gemeinsam mit Lindon Zena, Co-Vorsitzender des Grünen Ortsverbandes Karben, zu einem fachlichen Austausch. Mit am Tisch saßen die Einrichtungsleitungen Maren Duke und Jamel Atkinson sowie Björn Hörnle, Mitglied der Unternehmensleitung von Terminal for Kids gGmbH sowie Vorstandsmitglied im Landesverband Hessen des Deutschen Kitaverbands, und Elternbeirätin Larissa Mittig. Der Termin bildete den Abschluss einer Besuchsreihe: Martin hatte zuvor 30 zufällig ausgesuchte Einrichtungen in ganz Hessen aufgesucht, um sich ein umfassendes Bild der Situation in der frühkindlichen Bildung zu verschaffen und mit Trägern, Leitungen und Eltern ins Gespräch zu kommen.
Frühkindliche Bildung als Fundament
Zu Beginn des Gesprächs betonte Martin die zentrale Bedeutung der frühkindlichen Bildung für die gesamte Bildungsbiografie von Kindern. Einigkeit bestand darüber, dass die Qualität in Kitas eine wesentliche Grundlage für Chancengerechtigkeit und gesellschaftliche Entwicklung darstellt. Im Austausch wurde unter anderem die Situation der Fachkräftegewinnung thematisiert. Dabei ging es auch um die Rahmenbedingungen der Ausbildung. Angesprochen wurden Unterschiede zwischen den Bundesländern, insbesondere mit Blick auf Ausbildungsdauer und Ausbildungskosten. In Hessen fallen an vielen Fachschulen weiterhin Gebühren an, während andere Länder hier bereits andere Modelle etabliert haben.
Einblick in die Arbeit des MärchenExpress
Im Anschluss stellten Maren Duke und Jamel Atkinson die pädagogische Arbeit im MärchenExpress vor. Die Einrichtung ist in einem umgebauten Wohngebäude untergebracht und beschäftigt 19 Mitarbeitende. Das Team setzt sich aus pädagogischen Fachkräften, Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern, Fachkräften in der praxisintegrierten vergüteten Ausbildung (PivA) sowie Sozialassistentinnen und Sozialassistenten zusammen. Diese unterschiedlichen Bildungswege spiegeln die Vielfalt moderner Personalgewinnung wider und bereichern die tägliche Arbeit. Die pädagogische Konzeption umfasst regelmäßige Schulungen zum Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan (BEP), pädagogische Jahresthemen sowie ein offenes Frühstücks- und Mittagessenkonzept, bei dem die Kinder selbst entscheiden, wann sie essen möchten. Ein Therapiebegleithund befindet sich in Ausbildung und soll künftig die pädagogische Arbeit unterstützen. Während des Besuchs kam zudem der Farmbus von der „Farm for Kids“ zurück und brachte Kinder von der Farm in die Einrichtung. Dies ist ein fester Bestandteil des naturpädagogischen Konzepts von Terminal for Kids.
Auch der Träger wurde vorgestellt: Terminal for Kids entstand ursprünglich aus einer betrieblichen Kinderbetreuung am Flughafen Frankfurt heraus. Aus der damaligen Initiative entwickelte sich ein freier Träger mit heute rund 40 Einrichtungen. Die meisten Plätze werden inzwischen in kommunaler Kooperation angeboten.
Perspektive der Eltern
Elternbeirätin Larissa Mittig schilderte ihre Beweggründe für die Wahl der Einrichtung. Im Vergleich zu größeren städtischen Kitas empfinde sie den MärchenExpress als persönlicher und überschaubarer. Besonders hob sie hervor, dass die Kita durch ihr pädagogisches Angebot, vor allem aber durch den hohen Grad an digitaler Kommunikation und unmittelbarer Information „im hier und jetzt angekommen“ sei. Informationen würden über eine App bereitgestellt, Rückmeldungen seien direkt möglich. Ihre Tochter sei „völlig narrisch auf die Farm“, und auch die jüngere Tochter solle später die Einrichtung besuchen.
Rahmenbedingungen und Qualität
Im weiteren Gespräch wurden strukturelle Herausforderungen offen angesprochen. Neben dem demografischen Wandel und schwankender Nachfrage im Krippenbereich ging es insbesondere um Fragen der Integration und der bestehenden Förderlogik. In der Praxis zeigt sich, dass Förderbedarfe nicht immer bereits bei Aufnahme eines Kindes bekannt sind. Werden sie erst später festgestellt, greifen Fördermechanismen häufig nur unter bestimmten formalen Voraussetzungen, etwa der verpflichtenden Herabsetzung der Gruppengröße.
Genau hier entsteht ein praktisches Problem: Ist eine Gruppe bereits voll belegt, lässt sich eine nachträgliche Reduzierung der Kinderzahl kaum umsetzen, ohne bestehende Betreuungsverhältnisse zu verändern. Ohne Gruppenherabsetzung jedoch entfällt in vielen Fällen die entsprechende Förderung. Für die Einrichtungen bedeutet das eine schwer planbare Situation, sowohl pädagogisch als auch organisatorisch.
In diesem Zusammenhang wurde auch die Idee diskutiert, Integrationsmaßnahmen stärker über spezialisierte Träger zu organisieren. Integrationsfachkräfte könnten dort unbefristet angestellt sein und bedarfsorientiert in verschiedenen Einrichtungen eingesetzt werden. So ließe sich sowohl eine verlässliche Förderung der Kinder als auch eine stabile Beschäftigung der Fachkräfte gewährleisten.
Der Besuch im MärchenExpress machte deutlich, dass die Qualität frühkindlicher Bildung nicht nur vom Engagement vor Ort lebt, sondern ebenso von verlässlichen politischen Rahmenbedingungen und dass ein offener Dialog zwischen Praxis und Politik eine wichtige Voraussetzung für tragfähige Lösungen ist.
